Schon wieder Ostern!

Wie die Zeit vergeht! Schon wieder Ostern. Das Fest der Auferstehung von Jesus Christus, gefeiert hier im Westen. Warum heißt es dann Ostern und nicht Western? Woher kommt der Name für das Fest? 

Nein, Ostern ist nicht das Gegenteil von Western.

Als Frauenarzt möchte ich mich politisch nicht aus dem Fenster hängen. Fragen, ob der Islam zu Deutschland gehört oder nur andere Religionen? Das sind nicht meine Fragen. Ist jetzt wieder die Zeit von Religionskriegen? Ich finde, die Menschen sind wichtig, wir kommen alle von einem Planeten. Aber Allgemeinwissen hat noch niemandem geschadet. Wer weiß denn, was sich hinter Ostern versteckt? Egal, ob Christ oder nur im christlichen Abendland aufgewachsen. Ganz ehrlich, wer kennt die Geschichte? Ich will sie hier nicht erzählen, ich bin Frauenarzt und kein Prediger. Aber neulich hatte ich eine Patientin mit ihrem Sohn bei mir, einem Vorschul-Steppke und der meinte sehr überzeugend, darauf angesprochen, Ostern sei das Gegenteil von Western. Das fand ich lustig und ich schaut mal nach, woher der Name Ostern eigentlich kommt. Wir kennen ihn alle und wissen, dann ist ein Montag frei. Wir freuen uns über das verlängerte Wochenende, aber wer kann dem Steppke oder irgendjemand anderem kurz erklären, wie sich der Name ableitet? In anderen Sprachen ist es die Große Nacht (Wielka Noc). Da kann man sich ähnlich wie bei Weihnachten etwas zusammenspinnen. Aber bei Ostern muss man doch unwillkürlich an Ost wie West wie Nord wie Süd denken.

Es ist kompliziert

Der Blick ins Lexikon verrät, es ist kompliziert. Es gibt mehrere Theorien. Ich erfahre, dass die Einführung und Kultivierung des Begriffs Ostern in Deutschland eng mit der Strukturierung der fränkisch-deutschen Kirchenprovinzen zusammenhängt und die Suche nach der Antwort geht damit schon einmal ein paar Jahrhunderte zurück. Diese Gebiete waren sprachlich und klerikal unterschiedlich geprägt. Im Erzbistum Köln, der kölnischen Kirchenprovinz, die fränkisch geprägt war, herrschte der Begriff pāsche vor und wurde vor allem in den heute erhaltenen Dokumenten so auch geschrieben. Bonifatius hatte als Bischofssitz Mainz, und aus der angelsächsischen Tradition heraus wurde dort in den Dokumenten ôstarun in angelsächsischer Anlehnung als typisches Missionswort verwendet.

Neuhochdeutsch Ostern und englische Easter haben die gleiche sprachliche Wurzel, die Erklärung der Wortes aber ist sehr unterschiedlich. Der Duden leitet das Wort vom altgermanischen Austrō > Ausro „Morgenröte“ ab, das eventuell ein germanisches Frühlingsfest bezeichnete und sich im Altenglischen zu Ēostre, Ēastre, im Althochdeutschen zu ōst(a)ra, Plural ōstarun fortbildete. Der Wortstamm ist mit dem altgriechischen Namen der vergöttlichten Morgenröte Ēōs und dem lateinischen aurora „Morgenröte“ verwandt. 

Nun habe ich als Kind immer bei Australien und Austria (Österreich) an zwei Bezeichnungen für ein Land gedacht und sie oft durcheinander gebracht. Beide haben aber nicht wirlich etwas miteinander zutun. Abgesehen davon, dass sie geographisch weit auseinander liegen, haben sie auch wortgeschichtlich verschiedene Wurzeln: „Australien“ ist abgeleitet vom lateinischen „terra australis“, was „südliches Land“ bedeutet. Österreich aber leitet sich von einem althochdeutschen Wort ab, das eben auch mit unserem Osterfest zusammenhängt: Das Gebiet Österreichs wurde auch als Ostland (lat. Austria) oder Osterland bekannt. Die Ähnlichkeit mit dem lateinischen Auster für „Südwind“ und terra australis für das „Südland“ Australien ist also zufällig. Das althochdeutsche *austar- bedeutet soviel wie „östlich“ oder „im Osten“, und die altisländische Edda, eine Sage ähnlich die der Nibelungen, nennt den mythischen Zwerg des Ostens Austri. Das hat Tradition bis heute, Austria ist heute noch ein Zwerg in Europa. (Das sollte ein Witz sein.)

Ostereiersuche mal anders – auf Westernart.

Das bereits erwähnte Ēostra ist erstmals im Jahr 738 belegt. Auf diese Quelle geht die Vermutung zurück, das Wort habe eine angelsächsische Lichtgöttin bezeichnet, nach der der Monat April auf angelsächsisch Ēosturmanoth benannt war. Das Deutsche Wörterbuch der Brüder Grimm zitiert diese Angabe mit dem Vorbehalt, er könne diese Göttin – als deren späteren Namen sie Ostara vermuten – erfunden haben. Es bleibt spannend.

Wegen der Entdeckung des leeren Grabes Jesu „früh am Morgen, als eben die Sonne aufging“ (Mk 16,2 EU) ist die Morgenröte, die Göttin Aurora, heute noch als Mehlsorte bekannt, im Christentum Symbol der Auferstehung. “Die Canones Hippolyti (um 350) gaben daher für die Osternacht die Weisung: „Alle sollen daher bis zur Morgenröthe wachen, dann ihren Leib mit Wasser waschen, bevor sie Pascha feiern, und das ganze Volk sei im Lichte“. Dies knüpfte auch an die biblische Exodustradition der Israeliten in der Nacht des „Vorübergehens“ (hebräisch pessach, engl. Passover): „Eine Nacht des Wachens war es für den Herrn, als er sie aus Ägypten herausführte. Als eine Nacht des Wachens zur Ehre des Herrn gilt sie den Israeliten in allen Generationen“ (Ex 12,42 EU).” “[Wikipedia]

Wie lange warten wir jetzt noch auf den Osterhasen, Schatz?

Im 12. Jh. leitete ein Kirchengelehrter Ostern von Osten (vgl. engl. easter und east) ab, der Himmelsrichtung des Sonnenaufgangs. Western gab es damals noch nicht, sonst hätte er dem Steppke recht gegeben. Viele neue Christen ließen sich damals „bei Sonnenaufgang“ am Ostermorgen – althochdeutsch zu den ostarun – taufen. Hier knüpft auch der aus dem Radio bekannte Namenforscher Jürgen Udolph an, der das Wort mit Bezugnahme auf den österlichen Tauftermin aus der nordgermanischen Wortfamilie ausa („gießen“) und austr („begießen“) erklärt. So wurde ein vorchristlicher Wasserritus als vatni ausa („mit Wasser begießen“) bezeichnet.

Eine weitere Deutung geht von der lateinischen Bezeichnung hebdomada in albis („weiße Woche“) für die Osteroktav (eine Oktav sind acht Tage vor eiem Kirchenfest, z.B. die Karwoche) aus. Da alba im französischen die Bedeutung „weiß“ verliert und die spezielle Bedeutung „Morgenlicht“ bzw. „Morgenröte“ annimmt, kann dies durch das entsprechende germanische Wort wiedergegeben worden sein.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen Frohe Ostern! Ihre Frauenarztpraxis Dr. Greiner in Neukölln.